Bei winterlichen Temperaturen machten sich am vergangenen Sonntag zwölf Interessierte auf, um den „Ort der Sommerfrische vor den Toren Ulms“ zu erkunden.
Herrlingen, ein Ortsteil von Blaustein und heute eher ein „bescheidenes Örtchen“, war für so manchen Industriellen um ca. 1900 der ideale Ort, seinen Sommersitz dorthin zu verlegen. So auch der Industrielle Max Robert Wieland. Wieland beauftragte den bekannten Architekten Richard Riemerschmid aus München, ein „Ferienhaus“ im beschaulichen Herrlingen zu bauen. Ganz nach den Wünschen des Bauherrn wurde die Villa Lindenhof mit einem großen Park zum Lustwandeln, einem Torhaus, einer Kegelbahn und vielen weiteren Details erbaut. Und da Max Wieland wohl eine empfindliche Nase hatte, gab es für die Küche einen extra Anbau. Das Innere der Villa ließ das Herz der TeilnehmerInnen höher schlagen. Der noch zum Teil original erhaltene Linoleumboden, die Steinsäulen, die hölzernen Decken, die handschmeichelnden Handläufe – alles handwerkliche Meisterleistungen. Doch nicht nur Industrielle ließen sich in Herrlingen nieder, auch einige sozial engagierte Frauen und Männer fanden in Herrlingen ein vorübergehendes Zuhause. Anna Essinger, eine Reformpädagogin, gründete 1926 ein Landschulheim, Claire Weimersheimer ein Kinderheim für verhaltensgestörte und schwer erziehbare Kinder und die jüdische Käthe Humburg gründete das Waldheim ebenfalls als Kinderheim. Ein Novum in der damaligen Zeit, leider ging es mit Beginn der Naziherrschaft in eine andere Richtung. Flucht und Tod bestimmte von nun an das Leben im Ort der Sommerfrische. Im Gebäude der ehemaligen Kegelbahn ist heute das Museum Lebenslinien untergebracht. Es zeigt die Biografien, das Leben und das Wirken der zehn Persönlichkeiten von Herrlingen. Auch Erwin Rommel, der mit seiner Familie für ein paar Jahre in Herrlingen lebte, ist unter den 10 Persönlichkeiten.
Die kleine Wanderung im Anschluss an die beiden Führungen war genau richtig, um das Gehörte und Gesehene zu verarbeiten. Mit einem kurzen Blick in die St. Andreas Kirche verabschiedeten wir uns von Herrlingen und genossen in Lautern im Lamm das leckere Essen.


